Freitag, 14. Dezember 2012

Profanierung und Umnutzung von Kirchenbauten


Die Profanierung einer Kirche stellt rechtliche, liturgische und kulturgeschichtliche Fragen, vor allem im Falle einer weiteren Nutzung der einstigen Kirche. Ein neues Buch greift diesen Fall auf, nämlich die Umnutzung einer Kirche zum Bestattungs- bzw. Gedächtnisort, wo Urnen aufbewahrt werden.
Cistercienserforscher interessieren sich auch deswegen für die Profanierungsfrage, weil viele europäische Klöster schließen oder bald schließen müssen. In manchen Fällen ist eine weitere Nutzung durch eine katholische Ordengemeinschaft möglich; hier sind meist die neuen Bewegung - Movimenti - die einzigen, die personell in der Lage dazu sind.

Für ländlich gelegene Cistercienserklöster wird diese Lösung allerdings nicht in Frage kommen, da die Nachfrage an Gedächtnisorten dort zu gering ist. Wo ein Klosterbau auch keinen anerkannten kulturellen Wert hat, weil er jung ist oder mit bescheidenen Mitteln erbaut wurde, droht das Vergessen. In anderen Fällen ist die private Verwendung der Immobilie eine Option; wir kennen die französichen und englischen Schlossanlagen, doch schmerzt die Vorstellung der weltichen Fest- und Unterhaltungskultur, die in diesen Klöstern künftig inszeniert werden könnte.

Die mindestens generell als religiös einzustufende Verwendung als Kolumbarium erscheint daher als hinnehmbar. Doch werden katholische Kirchen für Katholiken überhaupt der Gedächtnisort sein? Friedhöfe sind in der Regel für die Mitglieder der Glaubensgemeinschaft intendiert und haben eine lange Tradition: katholische Friedhöfe gibt es bereits. Die Kolumbarien werden eher für Mitglieder anderer Religionen bzw. keiner Religion entstehen. Und ihnen muss jede Bestattungsfeier erlaubt werden, die sie sich wünschen. Daher könnte sich in ehemaligen katholischen Kirchen sonderbare Rituale abspielen. Auch wenn diese Kirchen nicht mehr offiziell katholisch sind und kein Kreuz mehr in ihnen hängen darf, so sind sie durch ihren allgemeinen architektonischen Gestus doch als christlich-katholisch erkennbar.

Wie geht man mit diesen Spannungen um? Diese Fragen werden im jüngst erschienenen Buch nach folgenden thematischen Abschnitten behandelt: Liturgie der Kirchenprofanierung in Geschichte und Gegenwart (9-125), Profanierungsritual oder Abschiedsfeier? (126-149), Rechtliche Aspekte der Nutzung katholischer Kirchengebäude als letzte Ruhestätte in NRW (150-260), Kirchenrechtliche Aspekte der Umnutzung von Pfarreien zu Grabeskirchen (261-278). Bibliographica zum Buch: Clemens Leonhard, Thomas Schüler (Hrsg.): Tot in die Kirche? Rechtliche und liturgische Aspekte der Profanierung von Kirchen und ihre Umnutzung zu Kolumbarien. Regensburg, Pustet 2012, ISBN 978-3-7917-2463-8.

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